Medienkompetenz, digitale Bildung und Kinderschutz zusammengedacht
Gemeinsam mit Mitgliedern des Ortsverbands Aichtal war ich zu Besuch bei mecodia. Das Unternehmen mit Sitz in Aichtal ist seit fast 15 Jahren in den Bereichen digitale Bildung, Medienkompetenzförderung und Softwareentwicklung tätig und verbindet pädagogische Arbeit mit technischer Expertise. Mit rund 15 Mitarbeitenden arbeitet mecodia an der Schnittstelle von Schule, Sozialarbeit, Kommunen und digitaler Infrastruktur und erreicht damit einen großen Teil der Bildungslandschaft im Landkreis.
Ein Schwerpunkt von mecodia liegt auf der Medienkompetenzförderung und dem sicheren Umgang mit digitalen Medien. Im Landkreis nehmen rund 90 Prozent der weiterführenden Schulen und etwa 50 Prozent der Grundschulen Angebote von mecodia in Anspruch. Hinzu kommen Schulungen für soziale Einrichtungen, Träger der Jugendhilfe und Fachkräfte, insbesondere im Bereich Kinder- und Jugendmedienschutz. Themen wie Cybermobbing, der Umgang mit Social Media, das unbedachte Teilen von Bildern oder problematische Nutzungsformen werden dabei altersgerecht und praxisnah behandelt.
Bekannte Projekte wie Handysektor oder Medien kindersicher zeigen, wie niedrigschwellige Präventionsarbeit gelingen kann. Dabei geht es nicht nur um Aufklärung, sondern auch um konkrete Hilfestellungen, etwa bei der sicheren Einrichtung von Endgeräten oder beim verantwortungsvollen Umgang mit Apps und Plattformen.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Finanzbildung. Mit der Heroes App vermittelt mecodia spielerisch grundlegende finanzielle Kompetenzen. Schülerinnen und Schüler treffen Entscheidungen für ihre Spielfigur und lernen so praxisnah, wie finanzielle Zusammenhänge funktionieren. Der Gamification-Ansatz zeigt, welches Potenzial digitale Lernformate haben, wenn sie gut konzipiert sind und an der Lebensrealität junger Menschen anknüpfen.
Ergänzt wird das Angebot durch Projekte im Bereich Leseförderung. In Lesementor*innen-Programmen unterstützen ehrenamtliche Patinnen und Paten Kinder beim Lesen, insbesondere in Kooperation mit Grundschulen, Jugendeinrichtungen und dem Sozialministerium. Diese Projekte machen deutlich, dass digitale Bildung und klassische Bildungsarbeit zusammengedacht werden müssen, gerade dort, wo Kinder zusätzliche Unterstützung brauchen.
Im Austausch wurde auch offen über die strukturellen Herausforderungen im Bildungssystem gesprochen. Ein zentrales Problem ist der Mangel an Zeit für Lehrkräftefortbildungen, insbesondere im digitalen Bereich. Gleichzeitig verändern sich Lernbedingungen rasant: Künstliche Intelligenz, neue digitale Werkzeuge und veränderte Aufmerksamkeitsspannen stellen Schulen vor grundlegende Fragen. Wie kann digitales Lernen heute sinnvoll gestaltet werden? Wie lassen sich Leistungen künftig bewerten, wenn KI zunehmend verfügbar ist? Und wie kann individuelle Förderung gelingen, ohne zusätzliche Ungleichheiten zu erzeugen?
mecodia arbeitet jährlich mit rund 1.500 einzelnen Workshops und 500 Workshoptagen und erreicht damit eine sehr große Zahl an Kindern, Jugendlichen und Fachkräften.
Deutlich wurde: Themen wie Medienbildung, Informatik und der verantwortungsvolle Umgang mit KI sind längst keine Zusatzaufgaben mehr. Sie sind eine zentrale Herausforderung für das gesamte Bildungssystem. Gleichzeitig zeigen die Projekte von mecodia, dass digitale Werkzeuge auch große Chancen bieten, etwa, um Kinder in ihrem eigenen Tempo zu begleiten, Lernen individueller zu gestalten und neue Zugänge zu Bildung zu eröffnen.
Der Besuch hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig engagierte Akteure vor Ort sind, die Digitalisierung nicht abstrakt diskutieren, sondern konkret umsetzen, verantwortungsvoll, praxisnah und mit einem klaren Blick auf den Schutz und die Förderung junger Menschen. Damit solche Ansätze dauerhaft wirken können, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen, ausreichende Ressourcen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kommunen, Zivilgesellschaft und spezialisierten Bildungsanbietern.
Am Besuch nahmen außerdem teil aus den grünen Ortsverbänden: Isabella Kilp, Jürgen Steck, Gerhard Härer und Christa Reutter.