Gemeinsam mit der Karlsruher Bundestagsabgeordneten und Fachperson für Tierschutz Zoe Mayer (MdB), und Theresa Fidušek, Sprecherin der Grünen Jugend Baden-Württemberg, durfte ich die Igelhilfe in Neckartenzlingen besuchen. Vertreterinnen des Tierheims Reutlingen und des NABU Aichtal waren bei dem Austausch auch anwesend.
Waltraud Hoyer, Initiatorin der Igelhilfe, empfing uns gemeinsam mit ihrem Ehemann in ihrem Wohnzimmer. Unterstützt von engagierten Ehrenamtlichen und dem NABU Aichtal leistet sie hier für die Igel Großes.
Schnell verdeutlicht das Gespräch, wie ernst es um den Igel steht. Allein im vergangenen Jahr hat Waltraud Hoyer 262 Igel versorgt und aufgepäppelt. Die Zahlen steigen stetig, da sich ihr Fachwissen und ihr unermüdlicher Einsatz herumgesprochen haben. Der Einsatz für die Igel fasst 10-12 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche, also mehr als ein Vollzeitjob. Waltraud Hoyer trägt einen Großteil der Kosten bisher selbst oder mit Unterstützung des NABU. Auch das Tierheim Reutlingen stieß mit der Aufnahme von 250 Igeln an seine Kapazitätsgrenzen, sodass ein Aufnahmestopp verhängt werden musste.
Die Ursachen für diese Notlage sind vielfältig:
- Klimakrise: Höhere Temperaturen sorgen für Hitzestress, Dehydrierung, neue Krankheiten und Mangelernährung.
- Schwindende natürliche Lebensräume: In den kurz und akkurat gehaltenen Gärten finden Igel weder Nahrung noch einen Ort für einen guten Winterschlaf oder verletzen sich an den unnachgiebigen Zäunen aus Metall.
- Mähroboter: Der Trend zum automatisierten Rasenschnitt ist für die nachtaktiven Tiere oft lebensgefährlich. Die scharfen Klingen verursachen schwerste Verletzungen.
Die Forderung der Ehrenamtlichen ist unmissverständlich: Wir brauchen strikte Regulierungen für motorisierte Klingen, insbesondere ein Nachtfahrverbot für Mähroboter. Zoe Mayer (MdB) betonte, dass eine entsprechende Verbesserung im Tierschutzgesetz bereits kurz vor dem Ende der Ampel-Koalition bald zur Abstimmung gestellt werden sollte. Leider erfahren wir gerade nur tierschutzpolitische Rückschritte unter der neuen Koalition.
Während wir dort sind klingelt es, wie so oft, bei Waltraud Hoyer an der Tür:
Ein Igel wird in einem großen Karton vorbeigebracht. Vielleicht ist er verletzt?
Verletzte Igel sind wenig erforscht, deren Behandlung ist kaum Teil des Studiums der Tiermedizin. Einiges zum Umgang sei laut den Ehrenamtlichen reine Erfahrung, die unter den Ehrenamtlichen ausgetauscht wird.
Neben der finanziellen Unterstützung der Ehrenamtlichen und dem besseren Aufbau von Strukturen, die sich liebevoll um die Igel kümmern, braucht es aber auch einen anderen Umgang und ein anderes Verhältnis zur Natur.
Neben politischer und finanzieller Hilfe braucht es ein neues Bewusstsein für die Natur. Der NABU Aichtal hob hervor, wie wichtig dafür naturnahe Gärten und architektonische Strukturen sind:
- Strukturreiche Hecken und Sträucher als Unterschlupf und Winterquartier.
- Heimische Pflanzen, die Laufkäfern und anderen Futtertieren des Igels Lebensraum bieten.
- Eine igelfreundliche Gestaltung von Verkehrswegen, um die Sterblichkeit auf Straßen zu senken.
Die Gespräche mit den Expertinnen und Experten im Kreis haben viele konkrete Lösungswege aufgezeigt, die nun auch politisch weiter verfolgt werden müssen. Inspiriert von diesem großen Engagement nehme ich viele Impulse für meine weitere Arbeit mit.
Einen herzlichen Dank an die Ehrenamtlichen, die sich mit so viel Mühe um die stacheligen Kerlchen kümmern. Und vielen Dank an Waltraud Hoyer und ihren Ehemann für den freundlichen Empfang in der Igelaufpäppelstation- dem heimischen Wohnzimmer.