Bio-Baumwolle aus Uganda als Modell für gerechte und nachhaltige Wertschöpfung
Der Besuch bei Cotonea in Bempflingen hat eindrucksvoll gezeigt, wie glaubwürdige Nachhaltigkeit aussieht, wenn sie konsequent entlang der gesamten Wertschöpfungskette gedacht wird. Cotonea, bzw. die Firma Gebr. Elmer und Zweifel, feiert in diesem Jahr sein 170-jähriges Bestehen. Seit 1855 wird das Unternehmen in siebter Generation geführt und verbindet dabei tiefes textilwirtschaftliches Know-how mit einer klaren wertebasierten Haltung.
In einem sehr anschaulichen Vortrag nahm uns Roland Stelzer mit durch die komplette Lieferkette der Bio-Baumwolle, beginnend beim Anbau in Uganda bis hin zur Weiterverarbeitung und Konfektion in Europa. Besonders deutlich wurde dabei: Nachhaltigkeit beginnt nicht erst in der Produktion, sondern bereits auf dem Feld, bei den Menschen, die die Baumwolle anbauen.
Bio-Baumwolle aus Uganda
Die Bio-Baumwolle von Cotonea stammt aus Fair-Trade-Anbauprojekten in Uganda. Der Anbau erfolgt vollständig ökologisch mit viel Handarbeit, ohne Kunstdünger und ohne Pestizide. Statt chemischer Schädlingsbekämpfung setzen die Bäuerinnen und Bauern auf ökologische Methoden, etwa auf Lockpflanzen, die Schädlinge gezielt anziehen, oder auf Pflanzen, die durch ihren Geruch oder ihre Eigenschaften Schadinsekten fernhalten. So wird aktiv gegen Pestizide gearbeitet mit Wissen, Erfahrung und natürlichen Kreisläufen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Handarbeit: Die Baumwolle wird von Hand geerntet, was nicht nur die Faserqualität erhält, sondern auch Arbeitsplätze sichert. Gerade in Zeiten hochmechanisierter Landwirtschaft ist dieser Ansatz ein bewusster Gegenentwurf, der Qualität, Umwelt- und Sozialstandards miteinander verbindet. Und das Beeindruckendste daran, der Ertrag ist so in Uganda auch höher als in hoch maschinellen amerikanischen Betrieben.
Genossenschaftliche Organisation und wachsendes Wissen vor Ort
Besonders spannend ist die genossenschaftliche Organisation der Farmerinnen und Farmer in Uganda. Sie sind in Kooperativen zusammengeschlossen, unterstützen sich gegenseitig und treffen gemeinschaftliche Entscheidungen. Die Fair-Trade-Prämien, die Cotonea zusätzlich zum Bio-Aufschlag zahlt, fließen in diese Genossenschaften. Dort wird gemeinsam entschieden, wie die Mittel eingesetzt werden, etwa für Bildung, Gesundheitsversorgung, landwirtschaftliche Geräte oder die Vergabe von Kleinkrediten innerhalb der Gemeinschaft.
Durch diese langfristigen Partnerschaften ist das Wissen über biologische Landwirtschaft vor Ort massiv gewachsen. Schulungen, Erfahrungsaustausch und kontinuierliche Begleitung haben dazu geführt, dass die Bäuerinnen und Bauern heute deutlich höhere Fachkenntnisse über Bodenfruchtbarkeit, Fruchtfolgen und ökologische Anbaumethoden haben. Biolandwirtschaft ist hier kein kurzfristiges Projekt, sondern ein gemeinsam entwickeltes und getragenes System.
Fairness als wirtschaftliches Prinzip
Cotonea zahlt bewusst einen überdurchschnittlichen Bio-Aufschlag auf den Weltmarktpreis und garantiert feste Abnahmepreise. Diese Planungssicherheit verbessert die wirtschaftliche Situation der Farmer nachhaltig. Die Kombination aus fairer Bezahlung, gemeinschaftlicher Organisation und wachsendem Wissen stärkt nicht nur einzelne Betriebe, sondern ganze Regionen. Entwicklung entsteht hier nicht durch Abhängigkeit, sondern durch Selbstorganisation und Kooperation.
Gegenmodell zur Fast-Fashion-Industrie
Im Austausch wurde auch deutlich, wie sehr dieses Modell im Kontrast zur globalen Textilindustrie steht. Ultra-Fast-Fashion setzt auf niedrige Preise, chemieintensive Produktion und kurze Lebenszyklen, mit massiven Folgen für Umwelt, Gesundheit und soziale Strukturen. Kinderarbeit, Löhne weit unter dem Existenzminimum und Arbeitsbedingungen, die kaum vorstellbar sind, gehören in der globalen Textilindustrie noch immer zur Realität. Cotonea verfolgt bewusst einen anderen Weg: langlebige Produkte, transparente Lieferketten und echte Verantwortung gegenüber Mensch und Natur.
Der Besuch bei Cotonea macht deutlich: Nachhaltige Textilproduktion ist möglich, wenn ökologische Landwirtschaft, faire Handelsbeziehungen und langfristiges Denken zusammenkommen. Das Beispiel Uganda zeigt eindrucksvoll, wie Wissen, Gemeinschaft und faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen echte Entwicklung ermöglichen.
Besonders hervorzuheben ist der Vortrag von Roland Stelzer, der mit einem beeindruckenden Maß an Fachwissen, Erfahrung und Detailtiefe durch die gesamte Lieferkette führte. Mit großer Klarheit und Leidenschaft erklärte er nicht nur technische und agrarische Zusammenhänge, sondern ordnete sie auch global, historisch und politisch ein. Der Vortrag war für alle Beteiligten äußerst erkenntnisreich und machte komplexe Zusammenhänge der Textilindustrie verständlich und greifbar.
Mit einer Gruppe von rund 15 Interessierten waren wir vor Ort und konnten im Anschluss an den Vortrag noch bei einem Rundgang durch das Cotonea-Outlet einen Blick auf die fertigen Produkte werfen und damit den Bogen vom Baumwollfeld bis zum Endprodukt ganz konkret schließen.Ein herzliches Dankeschön gilt Elke Dengler und Gerhard Härer aus den Ortsverbänden Neuffener Tal sowie Aichtal-Neckartal, die diesen Besuch organisiert und möglich gemacht haben. Der Austausch, die Einblicke und die offenen Gespräche haben diesen Termin zu einem rundum gelungenen und sehr bereichernden Besuch gemacht.Vielen Dank an die Firma Elmer und Zweifel, dass wir da sein durften.