Am Samstag, den 24. Januar 2026, nahm ich am Wahlkreistag im Diakonieladen Nürtingen teil. Die Veranstaltung, organisiert vom Kreisdiakonieverband Esslingen und der Allianz für Beteiligung e.V., brachte 33 zufällig geloste Bürgerinnen und Bürger mit Vertretern aus Bundestag, Landtag und Gemeinderat zusammen.
Im Mittelpunkt stand das Thema soziale Gerechtigkeit. In Kleingruppen diskutierte ich gemeinsam mit anderen Teilnehmenden über lokale Herausforderungen. Dabei ging es weniger um fertige politische Lösungen, sondern primär um den respektvollen Austausch unterschiedlicher Perspektiven.
Zentrale Themen der Diskussionen waren:
- Wohnraum: Der akute Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Nürtingen wurde als dringendstes Problem identifiziert. Für mich ist Wohnen ein Grundrecht, kein Spekulationsobjekt. In den Gesprächen wurde deutlich, wie sehr die Angst vor Verdrängung umgeht. Ich will mich in Nürtingen für verbindliche Quoten für preisgebundenen Wohnraum bei Neubauten einsetzen. Mein Ziel ist es, den Leerstand konsequenter zu aktivieren und Nachverdichtung (z.B. Aufstockungen) sozial-ökologisch zu gestalten. Wir wollen, dass Nürtingen eine Stadt für alle bleibt – nicht nur für die, die es sich leisten können.
- Kinderbetreuung: Die Teilnehmer betonten, dass Chancengerechtigkeit und die Erwerbstätigkeit von Frauen direkt an eine verlässliche Betreuung gekoppelt sind. Es hat mich berührt, wie viele Frauen am Tisch schilderten, dass ihr beruflicher Weg an fehlenden Kitaplätzen scheitert. Das ist im Jahr 2026 nicht akzeptabel. Bildungsgerechtigkeit beginnt in der Kita. Mir ist wichtig, dass die Ganztagsbetreuung ausgebaut wird und eine bessere Personalausstattung durch attraktivere Arbeitsbedingungen ermöglicht wird. Verlässliche Betreuung ist die Voraussetzung dafür, dass Frauen gleichberechtigt am Arbeitsmarkt teilhaben können.
- Soziales Miteinander: Wir sprachen über die zunehmende Vereinsamung sowie die Notwendigkeit, bestehende Hilfsangebote besser zu vernetzen. Dass das Thema Vereinsamung so präsent war, zeigt, dass wir Räume für Begegnung brauchen, die nichts kosten. Wir, die Grünen, wollen das „starke Miteinander“ in der Stadtgesellschaft fördern. Dazu gehört für mich die dauerhafte Unterstützung von Projekten wie der Alten Seegrasspinnerei oder dem Diakonieladen. Wir müssen bestehende Hilfsangebote digital und analog besser vernetzen, damit Informationen dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Niemand darf in Nürtingen durch das soziale Raster fallen.
Trotz der schwierigen Themen herrschte Einigkeit darüber, dass in Nürtingen auch vieles gut läuft. Für mich war der Austausch wertvoll, um aus der eigenen „Bubble“ auszubrechen. Da viele Beteiligte – mich eingeschlossen – Offenheit für weiteres ehrenamtliches Engagement signalisierten, zogen auch die Veranstalter und Politiker ein positives Fazit.