Am 3. Februar 2026 hat der FrauenRat Nürtingen im Vorfeld der Landtagswahl am 8. März 2026 zu einem Politiker*innen-Speed-Dating in die Stadthalle K3N eingeladen. Das Format bot Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, mit den Kandidatinnen und Kandidaten direkt ins Gespräch zu kommen und zentrale gesellschaftspolitische Themen zu diskutieren.
An verschiedenen Thementischen konnten die Teilnehmenden jeweils rund 20 Minuten lang intensiv diskutieren. Dadurch blieb genügend Zeit, um wirklich in die Inhalte einzusteigen, nachzufragen, unterschiedliche Perspektiven auszutauschen und auch kontrovers zu diskutieren. Die Gespräche gingen spürbar über kurze Statements hinaus und ermöglichten einen echten inhaltlichen Austausch.
Auch im Jahr 2026 liegt noch ein weiter Weg vor uns. In den Gesprächen wurde immer wieder deutlich, dass viele der angesprochenen Themen uns alle, die anwesenden Frauen, ganz persönlich betreffen.
So leisten Frauen in Baden-Württemberg beispielsweise rund 50 % mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer – das entspricht 9,5 zusätzlichen Stunden pro Woche. Gleichzeitig zeigt sich auch beim Einkommen ein strukturelles Ungleichgewicht: Der Gender Pay Gap beträgt weiterhin 16 % unbereinigt und 6 % bereinigt. Auch beim Thema Gewalt ist die Dimension deutlich: Jede dritte Frau erlebt mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt, und allein 2024 wurden in Baden-Württemberg 135 Frauen und Mädchen Opfer eines versuchten oder vollendeten Tötungsdelikts.
Gleichzeitig zeigte sich klar: Es handelt sich dabei nicht um individuelle Einzelfälle, sondern um Struktur und System, die politische Antworten und gesellschaftliche Veränderungen erfordern.
Gleichzeitig wurde an diesem Abend sehr deutlich, dass es sich nicht um ein einzelnes Politikfeld handelt. Die Vielfalt der Thementische zeigte vielmehr: Gleichstellung, Schutz und Teilhabe sind Querschnittsthemen, die sich durch alle Politikbereiche von Gesundheit, Wohnen, Arbeit, Bildung, Sicherheit und bis hin zum digitalen Raum ziehen. Die Herausforderungen greifen ineinander und betreffen bestehende Strukturen auf vielen Ebenen zugleich.
Deshalb haben wir genau über diese Bandbreite von Themen diskutiert. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer brachten eigene Erfahrungen, Fragen und Anliegen ein, was die Gespräche zusätzlich bereichert hat. Die Diskussion war für mich sehr bereichernd, ich nehme viel mit.
Fest steht aber auch: Solange Frauen politisch unterrepräsentiert sind, fehlt ihre Perspektive in Entscheidungen. Im Landtag von Baden-Württemberg liegt der Frauenanteil aktuell bei rund 29,2 %, in den kommunalen Parlamenten sogar nur bei etwa 25 %. Das bedeutet: Die Lebensrealitäten von Frauen, etwa in Fragen von Care-Arbeit, Gesundheit, Sicherheit, Infrastruktur oder Wohnen, fließen noch immer zu wenig gleichberechtigt in politische Entscheidungen ein.
Gerade deshalb ist Repräsentation eine Voraussetzung für gute, gerechte Politik. Die Landtagswahl findet am 8. März statt, dem Internationalen Frauentag. Und damit ist das auch ein guter Tag, Frauen zu wählen.
Ein großer Dank gilt dem FrauenRat Nürtingen für die Organisation dieses Abends sowie allen Beteiligten für das offene Interesse und die konstruktiven Diskussionen! Solche Formate stärken den demokratischen Austausch und zeigen, wie lebendig politische Beteiligung sein kann, wenn Zuhören, Nachfragen und inhaltliche Tiefe im Mittelpunkt stehen.