„Einheit statt Spaltung bei Pflege, Gesundheit und Rente“
Vergangenen Samstag lud der VDK, größter Sozialverband Deutschlands mit mehr als 2,3 Millionen Mitgliedern, zu einer Informationsveranstaltung zur Landtagswahl. Anwesend waren zahlreiche Mitglieder aus den Wahlkreisen Nürtingen und Kirchheim. Gemeinsam mit den Landtagsandidat*innen der CDU, SPD, FDP und Linken waren Andi Schwarz und ich auf dem Podium.

In seiner Begrüßung wies Klaus Maschek, Kreisverbandsvorsitzender des VDK darauf hin, dass die AfD bewusst nicht eingeladen wurde. Der VDK steht hinter den Werten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, die die Würde jedes Menschen achtet, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion und Orientierung. Als Verein unterliege der VDK nicht dem Neutralitätsgebot und könne sich seine Gäste aussuchen. Am strengsten verurteilte er die Hetze und die antidemokratische Gesinnung dieser Partei.
In der folgenden Einführung ging Stefan Pfeil, Geschäftsführer des VdK-Bezirksverbands Nordwürttemberg, auf die Hauptthemen des VDK ein: Rente, Gesundheitssystem, Mieten, Fachberatung, Pflege, Rechtsberatung, Inklusion.
Ein Aspekt: 65% der VDK-Mitglieder leben in ländlichen Regionen, so Pfeil. Vor allem dort wird die medizinische Versorgung schlechter. Zudem reicht die Rente oft nicht für die Pflege.
Auch die Ungleichverteilung des Vermögens sprach er an. Eine gerechte Steuerpolitik mit z.B. Einführung einer Finanztransaktionssteuer und einer gerechteren Erbschaftssteuer solle Sozialkassen entlasten.
Das anschließende Plenum moderierte Kai Müller, Redakteur der Nürtingen Zeitung, mit konkreten Faragen:
Pflege: steigende Eigenanteile als Kernproblem
Stefan Pfeil stellte eingangs die Forderungen des VdK vor. Ein Schwerpunkt lag auf der stationären Pflege und den stark gestiegenen Eigenanteilen. Kai Müller griff das Thema auf und fragte konkret, wie die Politik auf die hohen Heimkosten reagieren wolle.
Tatsächlich liegen die Eigenanteile Anfang 2026 bundesweit im ersten Jahr bei durchschnittlich rund 3.245 Euro, in Baden-Württemberg sogar bei etwa 3.875 Euro monatlich – Tendenz steigend.
Für mich ist klar: Pflege darf kein Armutsrisiko sein.Für uns Grüne ist die Antwort auf diese Entwicklung der sogenannte Sockel-Spitze-Tausch. Das bedeutet: Der Eigenanteil wird gedeckelt, alle darüber hinausgehenden pflegebedingten Kosten übernimmt die Versicherung. So schaffen wir Planbarkeit und schützen Menschen vor Altersarmut.
In der Diskussion wurde auch die Einzelzimmerregelung angesprochen. Andi Schwarz betonte, dass Einzelzimmer eine Frage der Würde sind. Gleichzeitig wurde deutlich: Qualitätsverbesserungen dürfen nicht allein zu Lasten der Pflegebedürftigen finanziert werden.
Für uns Grüne ist auch wichtig: Häusliche Pflege muss stärker unterstützt werden.
Wir setzen uns für eine bundesweite Stärkung der Pflegeversicherung ein und diskutieren ein Pflege-Gehalt als Lohnersatzleistung für Angehörige, die ihre Arbeitszeit reduzieren. Auf Landesebene fördern wir über das Innovationsprogramm Pflege seit Jahren neue Versorgungsmodelle, stärken Tages- und Kurzzeitpflege und entlasten Angehörige über die reformierte Unterstützungsangebote-Verordnung.
Hausärztliche Versorgung sichern
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die medizinische Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum. Viele Hausärztinnen und Hausärzte stehen kurz vor dem Ruhestand, schon heute bleiben zahlreiche Praxen unbesetzt oder finden keine Nachfolge. Die Sorge, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren weiter verschärft, war im Saal deutlich spürbar.
Für uns Grüne ist klar: Wir brauchen ein starkes öffentliches Gesundheitssystem, das allen Patient*innen die richtige Hilfe zur richtigen Zeit am richtigen Ort bietet. Dazu gehört eine verlässliche Finanzierung der Krankenhausbehandlung durch den Bund ebenso wie eine kontinuierliche Investitionsförderung im Land. In den vergangenen Jahren haben wir die Mittel für die Krankenhausinfrastruktur schrittweise erhöht und wollen diesen Weg konsequent fortsetzen – von modernen Klinikstrukturen bis hin zur gezielten Stärkung der hausärztlichen Versorgung.
Angesichts der bevorstehenden Ruhestandswelle bei vielen Hausärztinnen und Hausärzten setzen wir auf eine Kombination aus Ausbildung, Anreizen und kommunaler Unterstützung. Bereits umgesetzt haben wir gezielte Programme, die mehr Medizinstudierende für dringend benötigte Fachrichtungen gewinnen. Mit dem „Landarzt-Track“ schaffen wir attraktive Ausbildungswege, die frühzeitig eine Bindung an die hausärztliche Tätigkeit in ländlichen Regionen ermöglichen. Die Allgemeinmedizin wird im Studium gezielt gestärkt.
Darüber hinaus wollen wir eine Initiative „Hausärztliche Versorgung“ auf den Weg bringen, die dort ansetzt, wo Versorgungslücken entstehen oder sich abzeichnen. Die bestehende Landarztquote entwickeln wir bedarfsgerecht weiter und ergänzen sie um eine Kinderlandarztquote, um auch die kinderärztliche Versorgung in allen Regionen dauerhaft zu sichern. Stipendienprogramme sollen finanzielle Hürden senken und den Weg in unterversorgte Regionen erleichtern. Gleichzeitig fördern wir Quereinsteiger*innen, die aus anderen Fachrichtungen in die hausärztliche Versorgung wechseln möchten.
Ein weiterer Baustein ist die Stärkung kommunaler Medizinischer Versorgungszentren. Ergänzend wollen wir einen kommunalen Ärztefonds einrichten, aus dem Praxisniederlassungen in unterversorgten Regionen gezielt und unbürokratisch unterstützt werden können – im engen Schulterschluss mit den Kommunen.
Unser Ziel bleibt klar: Gesundheitsversorgung darf keine Frage der Postleitzahl sein.

Barrierefreie Gesundheitsversorgung – Zugang ohne Hürden sichern
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Barrierefreiheit im Gesundheitswesen. Noch zu viele Praxen sind nicht barrierefrei zugänglich.
Für uns Grüne ist klar: Ziel ist ein inklusives, gut erreichbares und barrierefreies Gesundheitssystem für alle. Bauliche, kommunikative und organisatorische Hürden müssen sowohl im ambulanten Bereich als auch in Krankenhäusern und im Öffentlichen Gesundheitsdienst konsequent abgebaut werden. Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen sollen selbstbestimmt leben können – dazu gehört ein verlässlicher, niedrigschwelliger Zugang zu medizinischen Leistungen.
Wichtig ist uns: Über den Strukturfonds der Kassenärztlichen Vereinigungen sollen Arztpraxen beim Abbau baulicher Barrieren unterstützt werden. Auch im Krankenhausbereich werden bestehende Hürden systematisch reduziert, um eine gleichberechtigte Versorgung zu gewährleisten. Der seit Mai 2024 verfügbare Bundes-Klinik-Atlas sorgt zudem für mehr Transparenz für Patientinnen und Patienten.
Entscheidend ist nun, dass der Aktionsplan für ein diverses, inklusives und barrierefreies Gesundheitswesen zügig in der Fläche umgesetzt wird. Mit dem Landeszentrum für Barrierefreiheit wurde bereits eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, die Beratung und Unterstützung bietet.
Zum Abschluss der Veranstaltung griff Moderator Kai Müller noch einmal die Wahlprogramme auf. Grundlage war eine Zusammenstellung der Landeszentrale für politische Bildung zu den Positionen der Parteien im Bereich Pflege. Anhand einzelner Aussagen sollten wir auf dem Podium erraten, welche Partei jeweils dahintersteht.

Das Ergebnis war bemerkenswert: Viele Aussagen lagen inhaltlich so nah beieinander, dass eine eindeutige Zuordnung kaum möglich war. Auch gut, denn das zeigt ja, wie groß der parteiübergreifende Konsens ist, dass Pflege, Versorgungssicherheit und soziale Absicherung zentrale Herausforderungen der kommenden Jahre sind.